No-Name-Crew

Hacken für die Freiheit?

Bei der No-Name-Crew (NN-Crew) handelt es sich um eine Gruppierung deutscher Hacker, deren Aktionen im Sommer 2011 breite öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Den Hacktivisten ist es gelungen, sich Zugriff zum bis dahin geheimen Ortungssystem der deutschen Bundespolizei „Patras“ zu verschaffen.

Am 7. Juli 2011 wendete sich die No-Name-Crew in einer E-Mail an das Hamburger Abendblatt, in der sie das Leaken brisanter Daten eines Paip-Tracking-Servers („Patras“) ankündigten.

Patras ist ein Geodaten-Programm, mit dem die Standorte von Personen, Fahrzeugen oder Sachen mittels eines GPS-Peilsenders in Echtzeit verfolgt werden können. Das Programm wurde 2006 in der Programmiersprache Delphi entwickelt und ist seit 2007 bei Zoll, Bundespolizei, dem BKA und vermutlich auch bei den Landeskriminalämtern im Einsatz. Erst der Leak der No-Name-Crew machte das Geheimprogramm öffentlich.

Im Zuge des Leaks veröffentlichte die Gruppierung Einsatzdaten aus dem gesamten Bundesgebiet, Softwarepakete sowie die dazugehörigen Gebrauchsanweisungen des Zielverfolgungssystems. Die Hacker begründeten ihre Aktion mit den immer weiter fortschreitenden Eingriffen des Staates in die Grundrechte seiner Bürger. Die Mitglieder der NN-Crew wollen mit ihrem Vorgehen für die Rechte, die Freiheit und die Privatsphäre kämpfen. So erklärte ein Gruppenmitglied gegenüber dem IT- und Techportal Gulli:

„Es geht um Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Korruption und wenn Menschen einfach nur noch als eine Nummer abgestempelt werden. Das hatten wir bereits von 1939 bis 1945.“

In der Hoffnung sich vor Strafverfolgung zu schützen, bot die NN-Crew auf ihrer Webseite eine verschlüsselte Datei mit brisanten Daten des BKA zum Download an. Sollte ein Mitglied der Gruppe verhaftet werden, würde innerhalb von 24 Stunden das Passwort zum Verschlüsseln der Datei veröffentlicht. Die Drohung wurde letztendlich nicht umgesetzt.

Polizeibeamte sind in ihrem Beruf vielfältigen Risiken ausgesetzt und einigen Fällen ist es für sie besonders schwer für sich und ihre Familien eine Form der Absicherung zu finden. Zwar hat der Dienstherr eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Polizisten und muss für eine passende Ausbildung Ausrüstung in Form von Waffen und Schutzwesten leisten, allerdings obliegt es dem Polizeibeamten zu entscheiden, ob er sich in einer Notsituation in Lebensgefahr bringen möchte. Da er oder sie jedoch ein „professioneller Nothelfer“ ist, kann ihm dies zugemutet werden.

Einige Versicherer haben sich auf den öffentlichen Dienst spezialisiert, so wie die Deutsche Beamtenversicherung DBV. In vielen Fällen ist sie der erste Ansprechpartner, wenn es um eine Risikolebensversicherung für Polizeibeamte geht. Wer mehr Informationen zum Thema Todesfallabsicherung möchte, sollte dem Fachportal risikolebensversicherung.de einen Besuch abstatten, das umfangreich über diese Police aufklärt und Anbietervergleiche bietet.

Die Ermittler ließen sich von der Drohung nicht abschrecken und nahmen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Köln den damals 23-jährigen S. F. aka „Darkhammer“ wegen des Verdachts der Computersabotage fest. Aufgrund seines Geständnisses und einer umfassenden Zusammenarbeit mit den Behörden wurde dieser kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt.

S. F. wollte daraufhin den Namen der NN-Crew nutzen, um auf seine Dienstleistungen im Bereich IT-Sicherheit aufmerksam zu machen. Seit dem Sommer 2015 ist es jedoch ruhig um seine Person geworden. Beiträge auf seinem Facebook-Profil deuten auf erneute Probleme mit den Strafverfolgungsbehörden hin.

In der Folge des Hacks mussten das Patras-Zielverfolgungssystem abgeschaltet werden, weshalb laufende Observationen nur mit einem erheblichen Mehraufwand durchgeführt werden konnten.

Zweifelsfrei erzielte die Gruppe mit ihrem Patras-Hack die größte mediale Aufmerksamkeit. Bereits vor dieser Aktion legten die Aktivisten 25 Webseiten der rechtsextremen NPD lahm und veröffentlichten deren Spender.

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